Kinder fördern und zusammen bringen

Fördern, fördern, fördern“ – das hat sich die Lebenshilfe Nürnberger Land auf die Fahnen geschrieben. Dies machte Vorsitzender Gerhard John beim Jahresempfang deutlich, der geprägt war vom 25-jährigen Jubiläum der inklusiven Kindertagesstätte in der Hersb

HERSBRUCK – „Fördern, fördern, fördern“ – das hat sich die Lebenshilfe Nürnberger Land auf die Fahnen geschrieben. Dies machte Vorsitzender Gerhard John beim Jahresempfang deutlich, der geprägt war vom 25-jährigen Jubiläum der inklusiven Kindertagesstätte in der Hersbrucker Fichtachstraße.

Nicht nur aufgrund des Geburtstags dieser „wertvollen Einrichtung“, so Bürgermeister Robert Ilg, war die Stimmung in der Geru-Halle gelöst: Mitarbeiter freuten sich, Ehrenamtliche und engagierte Eltern zu treffen. Ehrengäste sowie Unterstützer aus Politik und Wirtschaft, von Verbänden und Behörden machten das Festpublikum komplett.

Diesem wünschte Betreutensprecherin Helga Elterlein von Herzen „einen schönen Tag“. Lebenshilfe-Geschäftsführer Norbert Dünkel lobte den Mut der Frau mit Handicap, auf der Bühne zu sprechen und die „treuen Freunde der Lebenshilfe“ zu begrüßen.

Menschen wie Elterlein sind ein Beispiel dafür, dass Inklusion nicht nur in Hersbruck, wie Ilg findet, sondern auch im Landkreis gelebt wird. Einen Beitrag dazu leistet beispielsweise der Kindergarten Fichtachstraße unter der Leitung von Sabine Hartmann.

„Die Idee war und ist, Kinder, da wo sie wohnen, zusammenzubringen“ – egal, ob mit oder ohne Handicap“, erklärte Dünkel den Gründungsgedanken vor 25 Jahren. Mit 15 Kindern – statt 25 im Regelkindergarten – seien die Gruppen so groß, dass eine optimale Betreuung gewährleistet ist, so Dünkel. Aufzug und seit 2005 Intensivräume für Einzelförderung wie Logopädie, Krankengymnastik oder Ähnliches runden das Konzept der Lebenshilfe, dass „Inklusion nicht irgendwo enden“ oder scheitern soll, ab.

1992 wurde der erste (integrative) Kindergarten der Lebenshilfe, der am heutigen Samstag beim Sommerfest sein Jubiläum feiert, eröffnet. War zunächst nur eine Gruppe integrativ, sind es seit 2011 alle drei. Zudem können zwölf Mädchen und Jungs auf heilpädagogischen Plätzen betreut werden.

Dass Kinder in der inklusiven Kita viel soziale Kompetenz lernen, ist auch den Eltern in Hersbruck bewusst. Laut Dünkel und Ilg erlebt die Einrichtung einen „Run“ bei den Anmeldungen. Kein Wunder, dass Ilg betonte, dass der Kindergarten „aus Hersbruck nicht wegzudenken ist“ und sich in ihm die „schöne Verbindung von Stadt und Lebenshilfe manifestiert“. Ilg versprach denn auch, dass die Stadt, der Dünkel für die jahrelange Begleitung dankte, die Kita weiterhin unterstützen wird.

Neben dem Kindergarten hob Ilg eine weitere Person hervor – Vorsitzenden John: „Du denkst und spürst Lebenshilfe 24 Stunden am Tag.“ Johns Leidenschaft für die Lebenshilfe war denn auch seiner Rede anzumerken. Er nutzte den Empfang nicht nur als Möglichkeit, aus vollem Herzen „ein dickes Dankeschön“ an alle Sponsoren, Partner und Mitarbeiter zu sagen, sondern auch seinen Stolz über „Kompetenz, Engagement und Motivation in vielfältigen Bereichen“ auszudrücken.

Denn die Arbeit mit Behinderten an den rund 1500 Betreuungsplätzen sei nicht jeden Tag gleich. Besonders hob John hervor, dass es der Lebenshilfe auch dank Persönlichkeitsbildender Maßnahmen gelungen ist, 361 betreute Mitarbeiter im normalen Arbeitsmarkt zu haben. Damit dies gelingt, sind unter anderem die Zusammenarbeit mit der Fachakademie Altdorf oder die Fortsetzung der Modellschulprojekte in Lauf und Heuchling so wichtig. „Das hilft schon den Kindern, den anderen zu verstehen“, sagte John. Ein weiterer Baustein in dieser Hinsicht ist der neue Service „Fachkraft Schulstarthelfer“. Dieses einmalige Angebot in Bayern soll den Übergang von Frühförderung in die Grundschule erleichtern.

Um den Stellenwert im Landkreis zu halten, so John, sei ein entsprechendes Auftreten in der Öffentlichkeit nötig. Diverse Veranstaltungen wie Läufe, Konzerte, Action-Painting oder die Gewo-Challenge, zu der sogar der FC Nürnberg die Kilometer der Profis vom Abschlusstraining beisteuert, sind beste Werbeträger.

Barrieren überwinden

Bei all den erfolgreichen Projekten vergaß John die Herausforderungen jedoch nicht, wie der Bedarf an Kita-Plätzen und die Begleitung von Senioren in der Lebenshilfe. Zudem werden gesetzliche Änderungen wie das Bundesteilhabe- oder Kinderund Jugendstärkungsgesetz die Lebenshilfe beschäftigen. Beim Bundesteilhabegesetz, das Menschen mit Handicap unter anderem das Recht auf ein Sparbuch einräumt, treibt John vor allem die Finanzierung um. Denn: „Wir wissen, was zu tun ist, das muss uns keiner sagen.“ John liegt am Herzen, dass mit all diesen Gesetzen einheitliche Grundstandards geschaffen und Ansehen sowie Entlohnung des Personals gestärkt werden. Er weiß nämlich: „Wir sind ein tolles Team“ und das müssten die Mitarbeiter auch spüren. Diese Wertschätzung für die Lebenshilfe griff Cornelia Trinkl, stellvertretende Landrätin, beim Empfang, den die Inklusionsband „Die Schmetterlinge“ schwungvoll umrahmte, auf. Sie lobte, dass es die Lebenshilfe erfolgreich anpacke, „Barrieren – auch im Kopf – zu überwinden“. In all den Jahren habe sie sich zum professionellen Sozialunternehmen entwickelt, sei dabei aber immer „spürbar menschlich“ geblieben.  ANDREA PITSCH, HERSBRUCKER-ZEITUNG

Impressionen

Kurzweiliger Jahresempfang – die Inklusionsband