"Wir nehmen einen herzlichen Eindruck mit"

Als „besondere Erfahrung“ hat Dr. Peter Masuch, Vorstandsmitglied Lebenshilfe Bundesvereinigung und Bundessozialgerichtspräsiden a.D., seinen Besuch der Lebenshilfe Nürnberger Land, bezeichnet. Bundeskammerkollege und Lebenshilfe-Vorsitzender Gerhard John hatte Peter Masuch mit Ehefrau Karin sowie Dr. Wilhelm Bauer von der Lebenshilfe Neumarkt, zum interdisziplinären Dialog zur Lebenshilfe im Nürnberger Land, eingeladen. Neben der Gesprächsrunde über Inklusion und Fördermöglichkeiten für Menschen mit Behinderung jeden Alters standen auch Besichtigungen verschiedener der Einrichtungen der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung, im Fokus.

Rundgang und Dialog

Großen Anklang fand bei den Besuchern das erst Anfang 2016 eröffnete Apartmenthaus in Altdorf „Inklusive Wohnwelt“. Der Clou des Wohnangebots sei, so John, dass sich hier inklusives Wohnen, auch für Bewohner mit höherem Förderbedarf, nicht ausschließen. Es gibt inzwischen externe Wohn-Interessenten, Studenten der benachbarten Fachakademie, erläuterte Gerhard John gegenüber seinen Besuchern. „Wir wollen keine Hauruck-Inklusion. Die noch junge Hausgemeinschaft soll sich entwickeln und in Ruhe zusammenwachsen.“ Beim Rundgang in Lauf-Schönberg standen das Förderzentrum geistige Entwicklung mit Dr. Bernhard Leniger Schule, der Heilpädagogischen Tagesstätte und Schulvorbereitender Einrichtung sowie die Moritzberg-Werkstätten mit Lebenshilfe-Laden, im Fokus.

Karin Masuch, die vor ihrer Pensionierung als Förderschullehrerin gearbeitet hatte, zeigte sich vom umfangreichen Förderangebot der Schule beeindruckt, wie auch räumlich. Ihr gefalle der direkte Anschluss der Schule mit Heilpädagogischer Tagesstätte. Sein Kind nach der Schule oder in Ferienzeiten heilpädagogisch gefördert zu wissen, so Karin Masuch, sei für Eltern unschätzbar wertvoll – eben echte Lebenshilfe. Ich hätte wohl bleiben mögen“, beschrieb Karin Masuch ihre Eindrücke. 

Peter Masuch, der neben seiner Tätigkeit in der Bundeskammer der Lebenshilfe auch Vorstand der Lebenshilfe in Osterholz bei Bremen ist, lobte die Vereinsstruktur der Lebenshilfe Nürnberger Land. Die meisten Lebenshilfen mit ähnlicher Größe würden, so Masuch, heute als GmbH geführt. „Bei uns in Osterholz haben wir beispielsweise kein Werkstattangebot“. Für ihn als Mitglied der Bundeskammer ist ein solcher Blick „Hinter die Kulissen“ einer großen Kreisvereinigung unschätzbar wertvoll. Die Moritzberg-Werkstätten wirken wie ein Betrieb im „Betrieb Lebenshilfe“. Stolz zeigte Werkstattleiter Wolf das Leistungsspektrum auf. Dies erstrecke sich von der eigenen Werkstattküche, die täglich 600 Essen zubereitet und auch externe Kunden beliefert, bis zum Dienstleistungsbereich im Garten- und Landschaftsbau über Industriemontage bis zu handwerklichen Bereichen einer  Schneiderei, Schreinerei oder der Metallbe- und Verarbeitung. Rund 360 Beschäftigte mit Handicaps arbeiten in den Moritzberg-Werkstätten. Inklusion spielt auch hier eine immer größere Rolle. Viele der Beschäftigten sind inzwischen nur noch formell hier angestellt, arbeiten in Betrieben außerhalb der Werkstatt, haben ein so genanntes „Außenarbeitsplatz-Verhältnis“ inne. Aufgrund dieser Tendenz plane die Lebenshilfe aktuell auch keine räumliche Erweiterung der Moritzberg-Werkstätten.

Die Angebote aller Lebenshilfe-Einrichtungen bundesweit unterscheiden sich auffallend, bemerkte Masuch. Alle Lebenshilfen sind zudem eigenständig; zeichnen sich aber gegenseitig durch Unterstützung aus. „Wir haben alle den gleichen Auftrag, Menschen mit Behinderung zu fördern, zu begleiten und zu inkludieren und Familien zu entlasten, deshalb gebe es auch kein Konkurrenzdenken,“ so John. Sehr begrüßte auch Dr. Wilhelm Bauer den stets aktiven Austausch der benachbarten Lebenshilfe Neumarkt und Nürnberger Land. Zudem sind die JURA-Werkstätten Neumarkt gemeinnützige GmbH und die Moritzberg-Werkstätten Geschäftspartner. Die Besucher resümierten im Gästebuch: „Wir haben hier ein herzliches Miteinander einer Großfamilie und zugleich Professionalität erlebt.“