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„Heut geh’ ich wieder zu meinen Süßen“

Ehrenamtlich engagiert seit zwei Jahren: Marina Petschack. Auch ein gemeinsamer Bummel, wie hier mit der Bewohnerin Conny Melzer durch Lauf, gehört zu ihren Aufgaben. Stundenweise hilft sie im Wohnheim der Lebenshilfe aus.
Ehrenamtlich engagiert seit zwei Jahren: Marina Petschack. Auch ein gemeinsamer Bummel, wie hier mit der Bewohnerin Conny Melzer durch Lauf, gehört zu ihren Aufgaben. Stundenweise hilft sie im Wohnheim der Lebenshilfe aus.

Die Röthenbacherin Marina Petschack ist eine von 23 Millionen Deutschen, die sich ehrenamtlich engagiert. Seit zwei Jahren hilft sie stundenweise im Wohnheim der Lebenshilfe in Lauf – das Zuhause von mehr als 30 Frauen und Männer mit schwerst- und mehrfacher Behinderung. Marina Petschack schenkt Betreuten und Mitarbeitern förmlich Zeit.

Wir haben sie gefragt, warum sie sich ehrenamtlich engagiert.

Frau Petschack, Sie arbeiten im Rathaus der Stadt Röthenbach. Wie kamen Sie darauf, sich darüber hinaus noch ehrenamtlich für Menschen mit geistiger Behinderung zu engagieren?
Nun ja, zum Ehrenamt und auf die Lebenshilfe bin ich über einen kleinen Umweg gekommen. Ich arbeite als technische Angestellte im Bauamt der Stadt Röthenbach und bin hier zunächst auf das Projekt des Jugendcafes aufmerksam geworden und habe mich dort auch eingebracht. Bei dieser Arbeit mit den Jugendlichen aus sozialschwachen Familien habe ich entdeckt, wie viel Freude es macht, anderen Menschen zu helfen.

Und wie ging es dann weiter?
Eines Tages habe ich in der Pegnitz-Zeitung ein Inserat der Lebenshilfe Nürnberger Land gelesen, die für ihr Wohnheim ehrenamtliche Mitarbeiter suchte. Da dachte ich mir „Warum eigentlich nicht?“ und habe mich beworben. Schon kurz darauf wurde ich zum Vorstellungstermin eingeladen. Seit meinem Probetag, der wunderbar geklappt hat, helfe ich nun stundenweise im Wohnheim.

Jeden Dienstag kommen Sie nun nach der Arbeit für zwei Stunden ins Wohnheim, manchmal auch noch stundenweise am Wochenende. Was gehört eigentlich zu Ihren Aufgaben?
Die Aufgaben für uns Ehrenamtliche sind hier sehr vielfältig. Vorlesen gehört genauso dazu, wie einfach nur einmal zuzuhören oder sich zu unterhalten. Wir kochen auch gemeinsam mit den Bewohnern, ein anderes Mal malen und basteln wir. Auch das Aufräumen der Zimmer und das Einräumen der fertigen Wäsche gehören dazu. Menschen mit geistiger Behinderung wollen als gleichberechtigte Partner behandelt werden und so gehe ich mit Ihnen um. Ich glaube, ich helfe hier durch die Zeit und Geduld, die ich mitbringe. Ich bin hier, um den Bewohnern, aber auch den hauptamtlichen Mitarbeitern ein bisschen Zeit zu schenken. Für die Frauen und Männer ist das Wohnheim nicht nur Zuhause, sondern auch Familie – mit der zusätzlichen Zeit, die ich mitbringe, kann ich Freude ins Leben bringen. Ich komme inzwischen als Freundin.

Ehrenamtlich engagiert seit zwei Jahren: Marina Petschack. Auch ein gemeinsamer Bummel, wie hier mit der Bewohnerin Conny Melzer durch Lauf, gehört zu ihren Aufgaben. Stundenweise hilft sie im Wohnheim der Lebenshilfe aus.Sie haben einen Vollzeitjob, finden aber zusätzlich Zeit, sich hier für Menschen mit Behinderung zu engagieren. Was treibt Sie an?
Mir und meiner Familie geht es gut und davon möchte gerne etwas an die Gesellschaft zurückgeben. Doch letztendlich bescheren die Bewohner mir Glück durch ihre Herzlichkeit. Menschen mit geistiger Behinderung können sich nicht verstellen. Ihr Lachen, ihre Freude, wenn ich da bin sind einfach echt. Dienstags freue ich mich schon auf abends und meine Kollegen im Bauamt wissen schon, wen ich meine, wenn ich sage: „Heute geh ich wieder zu meinen Süßen.“.

Können Sie diese Glücksmomente beschreiben?
(Frau Petschak überlegt kurz und schmunzelt). Als mein Mann zur Reha war, hat Conny, eine der Bewohnerinnen, mit der ich hier viel Zeit verbringe, nachfragt: „Marina, bist du jetzt traurig, weil du ganz allein bist?“ Ohne die Antwort abzuwarten, nahm sie mich in den Arm und sagte „ich bin doch Deine Freundin, Du brauchst nicht traurig sein!“
Ich denke auch an unseren kleinen Ausflug zum Bauhof Röthenbach vor dem Röthenbacher Blumenfest. Wir durften dort die Wagen besichtigen, die für das Fest dort geschmückt werden, durften Blumen pflücken und wurden auch noch zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Der Höhepunkt für die kleine Gruppe der Wohnheim-Bewohner war dann die Besichtigung der Feuerwehr und das Aufsetzen der Helme. Man konnte es förmlich an den Augen der Betreuten sehen, welche Freude ihnen dieser Ausflug bereitete. Ich schätze seither die kleinen Dinge und Freuden des Lebens wieder viel mehr. Und genau das sind die Glücksmomente, die ich hier erleben darf.

 Vielen Dank, Frau Petschack, für das herzliche und sympathische Gespräch.
(Interview: Sabine Schreier, Pressereferat Lebenshilfe Nürnberger Land)

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