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Die ersten einhundert Tage

Seit rund einhundert Tagen im Amt: Lydia Stähle, stellvertr. Werkstattratsvorsitzende und Frauenbeauftragte in den Moritzberg-Werkstätten.

Der 8. März ist der Internationale Tag der Frau. Mit Lydia Stähle haben die Moritzberg-Werkstätten der Lebenshilfe Nürnberger Land erstmals auch offiziell eine Frauenbeauftragte. Bei den letzten Werkstattratswahlen im Herbst 2017 wurde sie zur stellvertretenden Werkstattrats-Vorsitzenden und zur Frauenbeauftragten gewählt und ist nun knapp einhundert Tage im Amt.

Frauenbeauftragte mit Zertifikat

Erste Fortbildung für Werkstatträte und Frauenbeauftragte erfolgreich absolviert Stolz zeigt Lydia Stähle ihre Zertifikate in die Kamera.

In ihrer noch neuen Rolle als Interessensvertreterin geht Lydia Stähle auf – ein Ehrenamt sei dieser Auftrag aus dem Kollegenkreis: „Mit meinen Werkstattratskollegen habe ich erst vor Kurzem eine sehr interessante Fortbildung der Lebenshilfe Bayern für Werkstatträte sowie für Frauenbeauftragte in Werkstätten für Menschen mit Behinderung besucht“, erzählt die 27-jährige Frau mit intellektueller Beeinträchtigung und zeigt stolz ihre Zertifikate und Schulungsunterlagen.

"Meine Arbeit und die Kollegen sind toll."

Die Arbeit im Montagebereich in der Fertigung 5 gefällt Lydia Stähle.

Die 27-jährige ist seit zwei Jahren im Montagebereich „Automobilzulieferung“ der Moritzberg-Werkstätten tätig. Eine Aufgabe, die sie gern ausübt und die sich auch fordert. Die Arbeit bedeutet ihr viel, doch auch das Umfeld ist ihr wichtig: „Ich arbeite hier in einem guten Team, mit prima Chefs und vielen netten Kolleginnen und Kollegen und unser Werkstattleiter hat immer ein offenes Ohr für uns.“

Während Lydia Stähle erzählt, sind stets Kollegen in ihrer Nähe, wollen hören und sehen, was sie im Interview und über ihre Arbeit erzählt. Man merkt sofort, Lydia Stähle ist beliebt – bei ihren weiblichen und ihren männlichen Kollegen. Lydia Stähle ist eine „Netzwerkfrau und Helferin“, die schon immer für andere ein offenes Ohr hat und auch gern aushilft. Das hat sie auch ermutigt, sich vergangen Herbst bei den Werkstattratswahlen (die alle vier Jahre stattfinden) aufstellen zu lassen. „Es tut gut, sich für andere einzusetzen und es ist ein gutes Gefühl, dass mich so viele Kollegen gewählt haben.“

Lydia Stähle repräsentiert "ihre" Lebenshilfe gern

Himmlischer Besuch bringt weihnachtlichen Lichterglanz zur Weihnachtsfeier der WfbM. Mucksmäuschenstill war es, als das Röthenbacher Christkind seinen Prolog sprach.

Lob hat sie auch für "ihre" Lebenshilfe und „ihre" Moritzberg-Werkstätten, wie sie sagt: „Ich finde es prima, wie Menschen mit Behinderung durch die Lebenshilfe Nürnberger Land gefördert und bei der Wahrnehmung ihrer Rechte, unterstützt werden. Und auch die Pflichten sieht die junge Frau eher als Kür, beispielsweise wenn es um repräsentative Aufgaben geht: „An unserer Weihnachtsfeier durfte ich gemeinsam mit unserem Vorsitzenden und dem Röthenbacher Christkind Betreute für deren langjährige Mitarbeit ehren.“

Frauenbeauftragte schätzt inklusiven Dialog

Harald Huber ist Vertrauensperson für Betreute der Moritzberg-Werkstätten; Szene zeigt ihn im Gespräch mit Lydia Stähle.

Toll findet sie, dass der Vorsitzende alle Betreutensprecher regelmäßig zum Dialog einlädt. Allein stehen die Betreutenvertreter nicht da. „Harald Huber ist unsere Vertrauensperson und unterstützt uns sehr im Werkstattrat. Er begleitet uns zu Schulungen, zum Jour Fixe mit dem Vorsitzenden der Lebenshilfe Nürnberger Land, erklärt uns komplizierte Sachverhalte und Texte, die wir gemeinsam mit ihm vereinfachen, beispielsweise in Plakate in ‚Leichter Sprache mit Piktogrammen‘“, so Lydia Stähle.

Lydia Stähle, seit rund einhundert Tagen Frauenbeauftragte, ist sehr ambitioniert in ihrem Amt.

Als Ansprechpersonen braucht man viel Mut – und Informationen. Deshalb freut sich Lydia Stähle schon auf den zweiten Teil der Fortbildung für Werkstätträte. Ihren Wahlauftrag nimmt die 27-Jährige ernst. Einmal in der Woche hat sie als Werkstatträtin und Frauenbeauftragte eine Sprechstunde in der Zweigwerkstatt in Lauf. Dass ihre ersten einhundert Tage als Werkstatträtin und Frauenbeauftragte eher ruhig waren, findet sie erfreulich.

„Aktionen für Frauen, Gleichberechtigung und so, das läuft bei uns einfach schon“, erzählt Lydia Stähle. Vertrauensperson Harald Huber ergänzt dazu, dass Vieles, was der Gesetzgeber seit 2013 für Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM) fordert, in den Moritzberg-Werkstätten längst umgesetzt wird. „Spezielle Persönlichkeitsbildende Kurse speziell für Frauen, wie ‚Selbstverteidigung für Frauen‘, gibt es längst. Und weil das Gremium Werkstattrat der Wahlperiode 2013-2017 seinerzeit mit vier Frauen und zwei Männern besetzt war, sah der seinerzeit vorwiegend weiblich besetzte Werkstattrat keine Notwendigkeit, extra eine Frauenbeauftragte zu wählen.“

Als Frauenbeauftragte hat Lydia Stähle dennoch Ideen, die sie aber noch mit Harald Huber und im Kollegenkreis des Werkstattrats besprechen will. „Vielleicht können wir eine Informationswand im Foyer der Werkstätten aufstellen, die Kollegialität und Solidarität zwischen männlichen und weiblichen Kollegen in den Mittelpunkt stellt und jeder noch Ideen einbringen kann." Das, so Lydia Stähle, passte dann auch zum Slogan der Lebenshilfe Nürnberger Land: „spürbar menschlich.“

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