Eine schmackhafte Therapie kommt den Menschen mit Unterstützungsbedarf in der Tagesbetreuung zugute: Ein langjähriger Besucher der T-ENE Lebenshilfe Nürnberger Land kocht regelmäßig groß auf und entwickelt ein neues Rezept nach dem anderen. Doch nicht nur die gutbürgerliche Küche bereitet dem Senior große Gaumenfreuden, es ist zugleich beiläufiges Gehirntraining und kleines Erfolgserlebnis.
Peter Zagel (70) hat große Freude am Kochen – das merkt man. Diese hat er nicht mal eben so, sondern über einen neuen Therapieansatz 2025 wiederentdeckt. Mit sichtbarem Engagement hält er seine Rezepte seit dem Frühjahr in einem sorgfältig gestalteten Rezeptheft fest. Dieses soll noch im neuen Jahr als Kochbuch erscheinen. Für Peter ist das mehr als ein Projekt: Es ist sein persönliches Werk, in dem jedes Gericht aus seinen Lebenserinnerungen seinen festen Platz hat. Ordnung in der Küche und im Heft – ganz der Handwerker alter Schule.
Peter ist ein Mensch mit kognitiver Einschränkung und war in seinem früheren Berufsleben Schreiner in den Moritzberg-Werkstätten in Lauf-Schönberg. Prägend war für ihn schon früh sein Vater, mit dem er viel Zeit in der Natur verbrachte. Beim gemeinsamen Pilzesammeln entwickelte Peter nicht nur eine Liebe zum Wald, sondern auch ein feines Gespür dafür, was essbar ist – und was besser stehen bleibt. Diese Naturverbundenheit und der respektvolle Umgang mit Lebensmitteln begleiteten ihn auch auf seinem Außenarbeitsplatz in der Hauswirtschaft der Lebenshilfe Wohnstätte und finden ihren Weg bis heute in den Kochtopf.
Tagsüber besucht Peter die Laufer T-ENE, eine Einrichtung zur Tagesbetreuung für Seniorinnen und Senioren mit kognitiver Einschränkung. Struktur und Therapie sind für ihn wichtige Bestandteile seines Alltags. Wöchentlich wird er von Therapeutin Nicole Schreier begleitet, und ein- bis zweimal im Monat gehört das gemeinsame Kochen neuerdings ganz selbstverständlich zur Therapie dazu. Auf den Tisch kamen dabei bereits Omelett mit Pilzen (natürlich), gebackene Leber, Kalbshaxe, deftige gefüllte Blätterteigrollen und Heidelbeer-Muffins. Peter kocht dabei nicht nur für sich selbst, sondern auch für sein „Schatzi“, das ebenfalls die T-ENE besucht – denn gemeinsam schmeckt es bekanntlich besser.
Die therapeutische Begleitung tut Peter gut. Das Kochen stärkt seine kognitiven Fähigkeiten, seine Merkfähigkeit und gibt ihm Sicherheit im Alltag. Auch der Einkauf und dabei das Merken aller Zutaten sind feste Übungen, die ganz nebenbei passieren – und dabei erstaunlich effektiv sind. Peter blickt motiviert nach vorne und hat noch einiges vor: Noch vor der Veröffentlichung seines Kochbuches möchte er sich an das Backen einer Sahnetorte wagen. Ein ambitioniertes Ziel, aber wer Kalbshaxe meistert, lässt sich von Sahne und Biskuit sicher nicht abschrecken.