Hersbruck. Wer über die inklusive Streuobstwiese der Rummelsberger Diakonie am Campus Haus Weiher spaziert, entdeckt künftig nicht nur alte Obstbäume und summende Insekten. Die Natur hat hier ab sofort auch etwas zu erzählen: Mit dem neuen Erlebnis- und Kunstprojekt „Wiesenflüstern“ wurde am Mittwoch eine in der Region einzigartige interaktive Hör-Erlebniswelt eröffnet.

An zehn Stationen können Gäste per QR-Code mit dem Smartphone kleine Geschichten und Hörspiele abrufen. Die rund zweieinhalbminütigen Beiträge erzählen von der Artenvielfalt und dem Wert dieser Kulturlandschaft.
Vertiefende Audiodateien richten sich speziell an Erwachsene. „Wir wollten einen Zugang schaffen, der Wissen, Fantasie und Naturerlebnis miteinander verbindet“, erklärte der künstlerische Leiter Gunnar Seidel vom Brachland-Ensemble bei der Eröffnung. Es sei ein Projekt, bei dem mehrere Profis beteiligt waren, u. a. die Schauspielerin Rebecca Kirchmann und Schauspieler Thomas Witte aus Nürnberg.
Besonders lebendig wird das Projekt durch die Stimmen der Vorschulkinder der Inklusiven Kindertagesstätte Hersbruck der Lebenshilfe Nürnberger Land (Archivbild). Dafür wurde die Kita-Turnhalle kurzerhand in ein Tonstudio verwandelt. „Die Kinder haben die Texte mit großer Begeisterung und viel Ausdruckskraft eingesprochen. Dadurch wird man mitten hinein in die Welt der Streuobstwiese gezogen“, freut sich Kita-Leiterin Claudia Schmiedel.
Entstanden ist das Projekt in enger Kooperation zwischen dem Brachland-Ensemble, der Lebenshilfe Nürnberger Land und dem Fachbereich Autismus der Rummelsberger Dienste. Menschen mit und ohne Behinderung haben die Hör-Stationen gemeinsam entwickelt. „Hier wird Inklusion ganz selbstverständlich gelebt“, betonte Dennis Kummarnitzky, Geschäftsführer der Lebenshilfe Nürnberger Land. „Organisationen, Kinder und Menschen mit Behinderung haben gemeinsam etwas geschaffen, das vielen Freude bereiten wird.“
Wie persönlich diese Einblicke sind, zeigt Andreas Schneller. Er übernimmt auf der Wiese regelmäßig Pflegearbeiten und berichtet in einer der Audio-Stationen stolz von seiner Arbeit mit dem Rasenmäher. Für Sebastian Weyh, pädagogische Fachkraft in der Förderstätte für Menschen im Autismus-Spektrum, bietet das Projekt einen enormen Mehrwert: „Die Stationen eröffnen neue Möglichkeiten, miteinander ins Gespräch zu kommen und Natur mit allen Sinnen zu erleben.“
Auch die Vertreter der Stadt Hersbruck, des Kreises und der Streuobstinitiative Hersbrucker Alb e.V. zeigten sich beeindruckt und äußerten die Hoffnung, dass das Projekt Nachahmer findet.
Projektleiterin Alina Stampfl blickt bereits auf kommende Besuchergruppen: „Kinder, Familien und Schulklassen können diesen besonderen Ort jetzt auf ganz neue Weise entdecken.“
Finanziell unterstützt wurde die Umsetzung durch Bildungsfonds des Landkreises Nürnberger Land und die Zukunfts- und Kulturstiftung Sparkasse Nürnberg.
und Infos zum Projekt auf
BRACHLAND-ENSEMBLE
arts / society / YEAH!
Gunnar Seidel, Künstlerische Leitung (Nürnberg)
www.brachland-ensemble.de
und hier noch fantastische Profi-Eindrücke von Fotograf Sebastian Autenrieth.
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