Freiwillige Helden erwünscht

Bewegungsangebote im Freien oder im Niedrigseilgarten für die Kleineren gehören zu den unterstützenden Aufgaben der FSJ-ler.

Der Landesverband der LEBENSHILFE sucht Teilnehmer am FSJ- und BFD-Programm. Auch die Einrichtung in Schönberg freut sich jetzt schon über junge Engagierte, die ab September die Arbeit mit eingeschränkten Kindern und Jugendlichen bereichern.

VON GISA SPANDLER


Einblicke in die freiwillige soziale Arbeit an der Schule und HPT

Stockbrot im Winter. Auch hier unterstützen die FSJ-ler das Team der Schule und der HPT.

Schon jetzt wirbt der Landesverband der Lebenshilfe um interessierte – meist junge – Menschen, die sich in den Einrichtungen im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) oder des Bundesfreiwilligen- Dienstes (BFD) ab September engagieren wollen. „Freiwillig ein Held, eine Heldin sein“ lautet das Motto, denn wer sich aus freien Stücken mit großem Engagement für gehandicapte Menschen einsetzt, noch dazu wenn während einer Pandemie hinter allen Planungen große Fragezeichen stehen, den kann man tatsächlich als Helden bezeichnen.

Wie sieht die freiwillige Arbeit der FSJ-ler bei der Lebenshilfe in Schönberg aus und wie hat sie das Corona-Virus beeinträchtigt? Judith Beck-Dietrich, die seit 2008 die Arbeit der Freiwilligen organisiert und koordiniert, erklärt, dass man jedes Jahr drei Stellen für ein Freiwilliges Soziales Jahr bereit hält.

Mindestalter 18 Jahre

Niedrigseilgarten: FSJ-ler bei der Unterstuetzung eines Schülers.

Da die Arbeit mit behinderten jungen Menschen eine gewisse Reife voraussetzt, sollten die Teilnehmer 18 Jahre alt sein. Für Interessierte am Bundesfreiwilligen-Dienst gibt es keine Angebote. Eingesetzt werden sie bei den Kleinen in einer Schulvorbereitenden Einrichtung, bei den Schulkindern am Vormittag bis 12.30 Uhr in den Bereichen Grund- bzw. Mittelschule sowie am Nachmittag in den Gruppen der Heilpädagogischen Tagesstätte. Grundsätzlich geht die Altersspanne ihrer Schützlinge von drei bis 20 Jahre, weil es auch eine Berufsschulstufe gibt.

Da die FSJ-ler zwar oft eine hohe Motivation, aber noch keinerlei Erfahrung haben, ist für sie eine professionelle Begleitung wichtig. Die geschieht zum einen durch den sozialpädagogischen Fachdienst von Judith Beck-Dietrich, die ihnen allgemeine Informationen an die Hand gibt wie die Struktur der Einrichtung oder die Besonderheiten im Verhalten der eingeschränkten Menschen, mit denen sie zu tun haben. Für die konkrete Arbeit in den Klassen und Gruppen sind die jeweiligen Lehrkräfte bzw. Gruppenleiter vor Ort zuständig. Außerdem sind über die zwölf Monate verteilt vier Seminare – derzeit natürlich im Online-Modus – vorgeschrieben.

Abhängig vom Alter und dem Einschränkungsgrad kann die konkrete Arbeit der jungen Männer und Frauen sehr stark variieren. Am Vormittag geht es oft um die Begleitung bestimmter Schüler bei der Bearbeitung der Unterrichtsaufgaben, wobei in manchen Fällen sich ein FSJler um nur einen Schüler kümmert. Auch pflegerische Tätigkeiten wie Unterstützung beim Toilettengang oder beim Essen kommen hinzu. Am Nachmittag in den Gruppen wird viel Projektarbeit geleistet, oftmals im Freien. Auch hier spielt der Behinderungsgrad eine Rolle, informiert Judith Beck-Dietrich und denkt dabei an eine Freiwillige, die sich ausschließlich um einen schwerstbehinderten jungen Mann der Berufsschulstufe kümmerte, der sehr viel Unterstützung brauchte und nicht selbstständig gehen konnte. Und die dies übrigens ganz ausgezeichnet erledigte.

Eigeninitiative wichtig

Busfahrpläne lesen, eine Zugkarte kaufen ... FSJ-ler begleiten Schüler*innen bspw. wie hier beim Mobil-Training.

Auch die Zukunftsplanung spiele für die Beschäftigung in den Gruppen eine wichtige Rolle. „Da geht es ums Einkaufen, es gibt kleine Werkkurse und es wird geübt, wie einzelne Arbeitsschritte geplant werden“, gibt Beck-Dietrich Einblick in die Tätigkeiten.

Wichtig: Die Lehrkräfte geben zwar Anregungen und Aufträge, aber die Freiwilligen können sie durchaus eigeninitiativ umsetzen. Hier aber ist wiederum die Sozial-Pädagogin gefragt.

Natürlich müsse sie auch ein Auge darauf haben, ob die jeweilige Tätigkeit für einen FSJ-ler passt. „Und umgekehrt müssen sie den Mut haben, mir zu sagen, wenn sie sich überfordert fühlen.“ Dass das in der Laufer Einrichtung in den zwölf Jahren, in denen sie für die Freiwilligen verantwortlich ist, offensichtlich gut gelingt, beweist die Tatsache, dass viele der Ehemaligen auch nach Vollendung ihrer zwölf Monate noch den Kontakt zur Lebenshilfe halten.

Eigentlich hatte sie gehofft, dass durch die Pandemie mehr Bewerber im vergangenen September zur Verfügung stehen würden, denn das Virus hat ja auch gewohnte Selbstverständlichkeiten bei Studium und Ausbildung in Frage gestellt ebenso wie die beliebten Auslandsaufenthalte. Doch die Zahlen der Interessierten sind gegenüber den Vorjahren gleich geblieben. „Vielleicht denken viele, dass es diese Angebote im Moment nicht gibt“, kann sich Beck-Dietrich vorstellen, die das FSJ-Projekt als eine große Bereicherung empfindet – für die Kinder, die jungen Freiwilligen und auch für sich selbst, wenn sie die ambitionierten sozial engagierten jungen Leute begleiten darf.

Ansonsten beeinflusst Corona die Tätigkeit der freiwillig engagierten jungen Leute in der Einrichtung sehr wohl. Schule und Tagesstätte sind derzeit natürlich geschlossen, es existieren lediglich Notgruppen. Die Freiwilligen sind in diesen Behelfsgruppen dort eingesetzt, wo sie vor Weihnachten noch regulär tätig waren, so dass sich Kinder und Freiwillige zumindest schon kennen.

Streng auf die Regeln achten

Tolle Aktion mit viel Eigeninitiative: Fsjlerin stellt hier den Kindern ihr Pferd vor.

Sozial-Pädagogin Beck-Dietrich bedauert natürlich, dass viele der Initiativen der jungen Betreuer auf Eis liegen müssen, wie der kleine Tanzkurs, den eine SFJ-lerin eingeführt hatte. „Wir achten ganz streng auf die Corona-Regeln“, versichert Beck-Dietrich.

Andererseits sieht sie durch den Notbetrieb aber auch wieder Chancen. Manches lässt sich in den kleineren Gruppen sogar besser umsetzen als in den großen regulären wie Vorlesen, Rollenspiele oder Schneemannbauen.

I N FO

Freiwillige erhalten ein Taschengeld (bis zu 556 Euro monatlich) und sind sozialversichert. DieArbeit in den Behinderten-Einrichtungen wird für die meisten sozialen Berufe als Vorpraktikum anerkannt. Interessierte melden sich bei der Lebenshilfe vor Ort oder beim LH-Landesverband unter freiwillig@lebenshilfe-bayern.de; www.freiwilligeinheld.de.

Ansprechpartner Freiwillig Soziales Jahr

Judith Beck-Dietrich ist Ansprechpartnerin für Bewerber*innen für das Freiwillig Soziale Jahr bei der Lebenshilfe Nürnberger Land.

Judith Beck-Dietrich
Diplom-Sozialpädagogin
Fachdienst Sozialpädagogik
Telefon 09123 97 50-280

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