„Einen schönen Weltfrauentag!“

Seit 2015 ist Gabi Näder Frauenbeauftragte des Wohnbereichs. Gerade in der Pandemiezeit sind Sing- und Bastel-Angebote für ihre Mitbewohnerinnen gut angekommen.

Gabriele Näder gefällt ihr Auftrag. Sie ist die Frauenbeauftragte für alle Wohneinrichtungen der Lebenshilfe Nürnberger Land. Damit ist sie Ansprechpartnerin für die Belange von rund 80 Frauen der Wohnheime, Wohngruppen und ambulanten Wohnformen. Gabi Näder ist intellektuell beeinträchtigt und wird daher bei ihrem Amt stundenweise von der Sozialpädagogin Eva Greulich unterstützt; eine Stelle die durch die AKTION MENSCH gefördert wird. Die 51-Jährige Gabriele Näder kann lesen und schreiben. Für komplexe Texte und Aktionen braucht sie aber Hilfe. „Und das ist gut so“, sagt sie. Die Powerfrau mit Behinderung wünscht einen schönen Weltfrauentag, der schon seit über einhundert Jahren gefeiert wird.

Mehr Angebote im Lockdown

Gabriele Näder, die von allen Gabi genannt wird, sieht gerade in der Corona-Zeit einen großen Auftrag ihres Amtes: „Wir alle haben seit dem Lockdown, also seit vielen Monaten, kaum Möglichkeiten rauszugehen, Kultur zu erleben, Freunde zu treffen oder mal Shoppen gehen. Durch den Lockdown ist die Welt für uns Frauen mit Behinderung noch kleiner geworden.“

Ihr Amt begreift Gabi Näder nicht als „Kummerkasten“. Sie ist eine aktive Vertreterin und hat inzwischen verschiedene Angebote rund um Basteln, Backen, Kochen und Sport für „ihre Frauen“ geschaffen. Wegen des Lockdowns treffen sich die Frauen jetzt online! Schnell haben Gabi Näder und ihre Mitstreiterinnen die neuen Medien, rund um Computer und Smartphone, bedienen und schätzen gelernt. „Sprach- und Videonachrichten schicken wir uns jetzt regelmäßig“, erzählt Näder stolz und zeigt, wie gut sie mit ihrem Smartphone und Tablet umgehen kann. „Das hat mir alles Eva Greulich gezeigt“, räumt Gabi Näder ein. Und ihr Wissen habe sie dann wieder an „ihre Frauen“ weitergegeben.

(Archivfoto mit Eva Greulich und Gabi Näder, Dezember 2018)

Frauenpower gegen Coronablues im Lockdwon

„Uns fällt allen inzwischen die Decke auf den Kopf. Wir Frauen der Außenwohngruppen sind seit vielen Wochen Daheim; können weder unserer Arbeit in den Moritzberg-Werkstätten nachgehen oder in unserem Außenarbeitsplatz arbeiten“, sagt die Frau mit Behinderung. Sie selbst arbeitet seit über zwei Jahren in der Hauswirtschaft einer Kita. Zurecht ist sie stolz auf ihren Außenarbeitsplatz. Und ja, „meine Kinder und Kolleginnen vermisse ich sehr“.

Ihre Stimme klingt dabei traurig und auch Wut schwingt mit. „Wir Frauen mit Behinderung wollen einfach ein Teil dieser Gesellschaft sein, wir wollen arbeiten, wir wollen anpacken und gesehen werden!“, sagt Näder energisch. Und sie selbst weiß genau, Fertigkeiten müssen täglich eingeübt werden, ganz ähnlich wie Musiker in einer Kapelle oder Sportler immer wieder trainieren müssen. Deshalb organisiere sie stets Angebote, wie gemeinsames Basteln oder Schminktipps. "Das sind kleine Lichtblicke für uns alle", sagt die Frauenbeauftragte (lacht). Was ihr selbst viel Kraft gibt, sind sind die Frauennachmittage, oft mit langen Spaziergängen, mit ihren Freundinnen und Mitbewohnerinnen Naffi Kara und Helga Elterlein (Foto).
Die Rückkehr an den Arbeitsplatz ist greifbar; in wenigen Wochen werden die Corona-Impfungen im Bereich Wohnen und der Werkstätten abgeschlossen sein.

Frauen mit Behinderung müssen noch mutiger werden

Den Weltfrauentag nach einem Jahr Pandemie will Gabi Näder nutzen, auf die Belange, Wünsche und auch Hürden von Frauen mit Behinderung in diesen schwiergen Zeiten aufmerksam zu machen:Wir Frauen mit Behinderung haben es zwar nicht mit Haushalt und Homeschooling zu tun, doch wir sind mehr denn je auf Hilfe, auf soziale Kontakte und auf Nähe, angewiesen.“

ehr als Frau gesehen zu werden, ihre „Schwestern“ zu ermutigen, mehr Öffentlichkeit zu wagen, dafür steht Gabi Näder mit ihrem Frauen-Power und das täglich.

Seit sechs Jahren begleitet sie dieses Amt schon. Und sie hat jeden Tag mehr Freude und Ideen. Am liebsten würde sie als Beraterin in der Politik mitmischen. Sie hat inzwischen Fortbildungen absolviert, die ihr zeigen, wie sie als Mutmacherin, als Freundin und als Motivatorin, „ihre Bewohnerinnen abholen kann“.

(Foto zeigt einen Screenshot aus einer Videokonferenz mit Bewohnerinnen und Eva Greulich)

Hilfe durch Teamleiter und Mitbewohner

Anargiros Tsopouridis lobt Bewohnerin Gabriele Näder, weil sie ihre Aufgaben als Frauenbeauftragte sehr ernst nimmt.

„Die Rolle als Frauenbeauftragte ist unserer Bewohnerin Gabi Näder auf den Leib geschrieben“, erzählt Anargiros Tsopouridis (Foto). Der Teamleiter der WG in der Hersbrucker Poststraße der Lebenshilfe Nürnberger Land zieht nach über einem Jahr mit Lockdowns gemischte Bilanz. „Die Bewegungs- und Wellness-Angebote für Daheim und auch als Online-Angebot helfen uns allen, doch für unsere Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung braucht es jetzt Perspektiven. Alles, was gute Laune macht, die Tristesse des Corona-Alltags vertreibt, hilft.“

Neben dem Sporteln hat die WG längst Musik als ein „Gute-Laune-Medium“ entdeckt. „Wir stehen durch unsere GeWo-Challenge mit ganz Deutschland in Kontakt – seit kurzem auch musikalisch." Im Frühjahr will das Lebenshilfe-Team jetzt eine „Hit-Challenge“ starten. Die besten Einsendungen sollen dann prämiert werden. Am liebsten wäre es Gabi Näder, wenn ihr Lieblingssender BAYERN 1 die „Hit-Challenge“ unterstützen würde.

Näders Lieblingslied, den IceTigers-Song, übt Gabi Näder bereits jetzt. Bei der Sing-Aktion will sie gern oben mitmischen. Viele „ihrer Frauen“ hat sie bereits musikalisch infiziert. Weihnachten hatte die Frauenbeauftragte eine große Sing-Aktion für ihre Frauen in den Wohnheimen initiiert! Alle seien sehr begeistert gewesen. So formte sich die Idee, daraus eine größere Aktion zu machen.

„Bei der Gesangs-Aktion, die für das Frühjahr 2021 geplant ist, sind natürlich alle eingeladen, also Kinder, Jugendliche wie Frauen und Männer mit und ohne Behinderung“, unterstreichen Gabi Näder und ihr Teamleiter ihre Idee.